Donnerstag
abend habe ich noch mit den Keglern telefoniert, um zu klären, ob wir
Samstag kegeln.
Rich zog mit in die Küche und zeigte mir,
wie es schneite. So schön friedlich, aber wir dachten uns so, wäre ja
typisch, wenn es heute passiert.
Ab 2.00 Uhr nachts konnte ich nicht mehr
schlafen, da ich starke Schmerzen hatte. Ich dachte, ich hätte wieder
eine Blasenentzündung. Ich ging ins Wohnzimmer und schaute im Stehen
und Laufen Fernsehen, irgendwas ganz blödes. Die Schmerzen waren
unregelmäßig, so dachte ich nicht, daß dies Wehen sind. Rich kam
morgens gegen 4.00 Uhr und sah nach mir, ich schickte ihn aber wieder
ins Bett. Er kann mir doch nicht helfen.
Morgens hat es noch mehr geschneit und
Rich entschied sich, von zu hause aus zu arbeiten. Glücklicherweise
hatte er am Donnerstag alles von der Arbeit mit nach Hause genommen. (Vorahnung?)
So gegen 10.00 Uhr entschloß ich mich, den Dok anzurufen, wir sollten
gleich vorbeikommen. Gegen 11.00 Uhr waren wir dort, CTG ok, keine Wehen
auf dem Schreiber. Als der Dok mich aber untersuchte, stellte er fest,
daß der Muttermund schon 3 cm offen war und wir sollten doch nochmal
nach Hause fahren und dann ins Krankenhaus. Ich war fix und alle. Ich
habe das nicht geglaubt. Jetzt ging es also los.
Wir sind nochmal nach Hause gefahren,
haben unsere Katze gefüttert und Rich mit Essen versorgt. Inzwischen
waren die Schmerzen so groß, daß ich sie wegatmen mußte. Gegen 14.00
Uhr waren wir im Krankenhaus, bis wir aufgenommen waren, 15.00 Uhr (Es
war Schichtwechsel!). Die Schmerzen wurden immer schlimmer. Das CTG war
in Ordnung und wir sollten nochmal spazierengehen und waren im Bistro
was trinken. Die Schmerzen hielt ich im Sitzen und Liegen überhaupt
nicht aus. Am besten war es, wenn ich lief.
Dr. Hilpert kam gegen 17.00 Uhr ins
Krankenhaus und traf auf uns, wie wir im Flur saßen. Er fragte, ob ich
eine PTA wolle und ich war mich nicht sicher (wäre eh zu spät gewesen!).
Danach schickte uns die Hebamme Martina ins Wehenzimmer. Ich konnte
nicht sitzen, stehen, liegen. Martina ließ nicht locker und schickte
mich in die Badewanne. Es tat doch tatsächlich gut. Doch entspannen
konnte ich mich nicht. Während einer Wehe platzte die Fruchtblase und
Martina untersuchte mich im Kreißsaal. Ich hatte jetzt riesige Angst
und war tierisch aufgeregt. Der Dok schaute immer mal rein und sah aber,
daß es wohl noch dauern würde und ging wieder. Ich mußte schon doll
atmen und wurde immer lauter. Ich wollte nur noch pressen. Martina
meinte, das sei super und ich solle dann nochmal ins Bad. Im Bad
untersuchte sie mich wieder und meinte, das Köpfchen würde kommen.
Rich wollte mich massieren und helfen, aber ich wollte nur meine Ruhe
und rumlaufen. Das CTG war immer noch gut. Ich dachte, ich träume das
alles nur. Ich sollte auf der Toilette so richtig pressen, Rich war bei
mir und redete mir gut zu. Im Kreißsaal nebenan war auch ein Pärchen,
daß kämpfte.
Martine wollte wissen, wie ich gebären
will und ich wollte den Gebärstuhl. Sie holte ihn, doch brauchten wir
ihn gar nicht. Martina holte den Dok und fragte, ob es ok sei, wenn eine
Lernhebamme dabei sei, dies sei eine so tolle Geburt, da könnte sie was
lernen. Das war mir so egal.
Inzwischen waren die Schmerzen so groß,
daß ich sie nicht mehr wegatmen konnte. Ich atmete laut aus, es war mir
egal, wer mich hörte. Ich war sauer und dachte, warum nur. Martina
ließ mich verschiedene Positionen ausprobieren, weil der Kleine noch
nicht so lag, wie er sollte. Ich stand am Bett und zitterte wie
verrückt. Martina meinte, ich solle was trinken. Rich holte Sprite und
ich hatte tierischen Durst. Ich dachte so bei mir, ein schönes Datum
19.11. und vielleicht noch 19.11 Uhr. Martina füllte schon den
Kinderpaß aus mit Datum und meinte, das passiert noch in ihrer Schicht
bis 21.00 Uhr. Die Zeit ging schnell um und ich saß auf dem Stuhl und
preßte. Martina schimpfte mit mir, nicht in den Kopf pressen, sondern
nach unten. Dr. Hilpert war da und die Ruhe selbst. Martina wollte mich
an den Wehentropf anschließen, damit ich mehr pressen kann, der Dok
meinte nur "no". Er saß da und war so cool. Das gab mir auch
Ruhe. Ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr, es soll nur endlich rum
sein. Letzte Anstrengungen, Rich riß mir den Kopf auf die Brust, damit
ich richtig presse. Martina nahm meine Hand und ließ mich das Köpfchen
fühlen, daß gab mir die letzte Kraft. Der Dok schnallte einen Riehmen
um meinen Bauch und half mit beim Drücken. Die Wehe kam und ich presste
mit allem, was ich hatte und merkte, das Köpfchen kommt. Von weit weg
hörte ich nur, wie Rich rief, es kommt, es kommt. Ich presste nochmal
und merkte wie das Kind nach draußen schlüpfte. Ich war fix und alle.
Ich schaute nach unten und sah den kleinen Mann und in diesem Augenblick
sah ich einen Urinstrahl in Richtung Arzt und mußte lachen. Der Kleine
wurde mir auf den Bauch gelegt und ich habe nur noch geheult. Rich muß
auch geheult haben, ich habe nix mitbekommen. Die Hebamme hielt mir die
Schere hin und ich deutet auf Rich. Er schnitt die Nabelschnur durch und
wir heulten gemeinsam. Ich habe immer nur gesagt: "Ich habe es
geschafft". Der Kleine wurde untersucht und Rich machte Bilder.
Dann wurde er mir wieder auf den Bauch gelegt, als er was anhatte und
der Dok nähte meine Wunden, die mir der Kleine mit seinem Ellenbogen
beigebracht hatte. Dammriß 2. Grades, meinte die Hebamme. Das Nähen
tat weh und ich jammerte ein wenig. Ich zitterte und hatte Durst. Noch
ne Sprite. Der Dok nähte und Rich fotografierte. Wir erfuhren vom Dok,
daß seine Kinder 5 und 9 Jahre alt sind und daß er schon ein alter
Sack sei. Dem stimme ich gar nicht zu. Wir machten ein Bild von Dok und
Hebamme und beide gratulierten und waren gut drauf. Robin wurde mir das
erste Mal angelegt, der hatte einen Zug drauf. Wir blieben noch zwei
Stunden im Kreißsaal und dann wurde ich in mein Zimmer verlegt. Ich
sollte aufs Klo gehen, doch wurde mir ganz schlecht. Rich meinte, ich
wäre ganz weiß geworden. Kein Wunder, ich hatte ja viel Blut verloren.
Ich konnte nicht laufen, mir wurde schwindelig, also wurde ich gefahren.
Rich war inzwischen telefonieren. Im Zimmer (mit zwei älteren
Operierten) wurde mir dann essen gebracht und ich ließ Robin im
Kinderzimmer über nacht. Ich war fertig und wollte nur Ruhe. Ich konnte
zwar nicht schlafen, aber ich war glücklich und froh, daß es geschafft
war.
Der Dok meinte später, es sei eine super
Geburt gewesen, daß hätte er nicht gedacht, als wir in seiner Praxis
gewesen wären. Die Hebamme war ebenfalls begeistert und freute sich
für uns.
Am Samstag wurde ich in ein anderes
Zimmer verlegt zu zwei Müttern und fühlte mich dort wohler.